Tackelberz » Schweigespirale oder Agenda Setting
In der Blogosphдre werden “normale” Blogger (oder Bloggerinnen - ich schreibe aus Grьnden der Vereinfachung immer in der mдnnlichen Form) in ihrer Themenwahl durch decease A-Blogs beeinflusst. Dieser Befund wurde schon von einigen Autoren (vgl.: Schmidt (2006), Hass (2005), Delwich (2005)) so festgehalten. Zwar wurden in den genannten Arbeiten meistens nur Einzelfдlle dargestellt, welche belegen sollten, dass ein solcher Einfluss besteht, doch scheint hier wirklich etwas dran zu sein.
Es erscheint ja auch nur logisch - schon seit lдngerem ist bekannt (vgl.: Schmidt 2006), dass eben diesen A-Blogs in der Blogosphдre eine groЯe Aufmerksamkeit zukommt. (Die empirische Ьberprьfung dieses Phдnomens soll an dieser Stelle nicht geschehen - doch daran wird gearbeitet). Das bedeutet einfach, dass eine Menge Leute, decease sich mit Blogs beschдftigen, bei den A-Blogs vorbeischauen und somit natьrlich auch Anregungen fьr ihre eigenen Geschichten holen. Heute wollte ich mal eine Idee unterbreiten, decease ich so noch nirgendwo gelesen habe.
AuЯer mich damit zu beschдftigen, dieses Phдnomen empirisch nachzuweisen, ьberlege ich mir ebenso, welches theoretische Modell diesen Einfluss erklдren oder beschreiben kann. Ich bin durch meine Beschдftigung mit Medienwirkungstheorien darauf gestoЯen. Nochmals zur Erinnerung sollen hier decease zentralen Annahmen der Theorie der Schweigespirale dargestellt werden (nach Schenk (1995):
1.
Es ist decease Theorie der Schweigespirale von Frau Noelle-Neumann, decease sich meiner Meinung nach mit ein wenig Uminterpretation zur Erklдrung dieses Phдnomens anwenden lдsst. Die Gesellschaft belegt (von der Norm) abweichende Individuen mit Isolation. Individuen haben kontinuierliche Furcht vor Isolation.
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Diese Isolationsfurcht veranlasst Individuen, das Meinungsklima zu allen Zeiten abzuschдtzen (=quasi-statistische Wahrnehmung). Ergebnisse dieses Schдtzvorgangs beeinflussen individuelles Verhalten in der Цffentlichkeit, insbesondere decease цffentliche Kommunikationsbereitschaft bzw.
5. Redebereitschaft und das Eintreten fьr decease eigenen Ansichten. Die fьnfte Annahme verbindet decease anderen vier.
Frau Noelle-Neumann hat diese Thesen zum grцЯten Teil auf das Fernsehen bezogen und hat somit dem Fernsehen eine tragende Rolle in der Bildung der цffentlichen Meinung zugeschrieben.
Zusammengefasst sind sie verantwortlich fьr decease Formierung, Festigung und Verдnderung der цffentlichen Meinung. Die Schweigespirale zeigt sich dadurch, dass jene Ansichten und Meinungen, decease vom Fernsehen ьbertragen werden, sich als “цffentliche Meinung” manifestieren, indem sich kein Mensch mehr traut eine andere Meinung kund zu tun. Da das Fernsehen eine groЯe Aufmerksamkeit in der Gesellschaft hat, wird dem Fernsehen diese Fдhigkeit bescheinigt. Und das eben aus den oben genannten Grьnden.
Und wer vorher aufgepasst hat, kann hier schon decease ersten Anknьpfungspunkte fьr decease Ьbertragung der Theorie auf decease Blogosphдre erkennen.
Sie haben sozusagen eine tragende Rolle in der Bildung der цffentlichen Meinung in der Blogosphдre. Denn dort kommt den A-Blogs eine vergleichbare Aufmerksamkeit zu.
Doch muss humankind weiter differenzieren, um decease Theorie der Schweigespirale auf decease Blogosphдre zu ьbertragen. Deshalb fьrchtet ein Blogger mit seinen Posts alleingelassen zu werden. Hier ist es zwar auch so, dass ein Blogger Angst vor Isolation hat - wenn jemand bloggt, dann ist dieses Individuum, meiner Meinung nach, primдr an Kommunikation und Beachtung interessiert. Er mцchte Kommentare, Trackbacks, Links usw.
Es ist eben so, dass decease Themen der A-Blogger in der Blogosphдre sehr sichtbar sind. Aber es ist auch ersichtlich, dass decease A-Blogs nicht zur Bildung der цffentlichen Meinung beitragen, sondern das Agenda Building der Themenagenda in der Blogosphдre leave beeinflussen. Mцchte nun ein nicht so bekannter Blogger Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dann muss er bei den sichtbaren Themen mitdiskutieren. Somit ist natьrlich nicht gesagt, dass er der Meinung des A-Bloggers folgen muss - nein, gerade im Gegenteil, eine provokante, kritische ДuЯerung wird vielleicht sogar grцЯere Resonanz nach sich ziehen -, aber er muss sich der Themen-Agenda der A-Blogger beugen. Er muss sich sozusagen an der Anschlusskommunikation beteiligen. Wobei wir jetzt bei einer anderen Medienwirkungstheorie gelandet wдren - nдmlich dem Agenda-Setting-Konzept.
Hier muss das Augenmerk auf jenen Zweig der Agenda-Setting-Forschung gelegt werden, welcher sich mit Agenda Setting und Anschlusskommunikation beschдftigt.
Und aus dieser Sichtweise lдsst sich das Phдnomen nochmals anders darstellen.
Beispielsweise untersuchten Kepplinger und Martin (1986) mit Hilfe des Verfahrens der verdeckten, teilnehmenden Beobachtung, welche Bedeutung der Hinweis auf Themen, decease in den Massenmedien behandelt wurden, fьr decease Alltagskommunikation hat. Sie fanden heraus, dass Medienthemen integrierend wirken. Sie beobachteten Gesprдche auf цffentlichen Plдtzen, in der Universitдt, in Gaststдtten und auch im privaten Bereich. Dies scheint auch logisch, da decease Wahrscheinlichkeit, dass ein Medienthema Anschlussmцglichkeiten fьr viele Teilnehmer erцffnet, groЯ ist. Weiter folgern sie: Die Funktion mag auch darin begrьndet sein, dass in der Цffentlichkeit seltener ьber persцnliche und unmittelbar relevante Aspekte gesprochen wird und der Vorteil der Massenmedien aus der allgemeinen Bedeutung des Themas resultiert.
Kepplinger und Martin (1986) fanden heraus, dass je geringer decease Gesprдchsintensitдt contend, desto stдrker contend zu beobachten, dass Themen der Massenmedien herangezogen wurden, um decease Diskussion zu beleben.
Bezьglich des Phдnomens der A-Blogger mьsste humankind den A-Blogs fьr decease Blogosphдre eine Agenda-Setting-Funktion zusprechen. Und Blogger, decease sich an decease grцЯere - also nicht persцnliche - Цffentlichkeit wenden, eben jene Themen aufgreifen, decease integrierend wirken, zu denen eben jeder was zu sagen hat. Die Anschlusskommunikation der normalen Blogger wдre damit zu begrьnden, dass decease Themen der A-Blogger durch ihre groЯe Sichtbarkeit in der Blogosphдre eine allgemeine Bedeutung erfahren.
Nun ja, resьmierend betrachtet erzielen beide Modelle einen дhnlichen Effekt. 2005. Doch welches Modell entspricht eher der Realitдt? Oder sollte humankind einzelne Teile aus beiden Modellen herausnehmen und kombinieren? predominantly
Literatur:
Haas, T.
From “Public Journalism” to the “Publicґs Journalism”? Rhetoric an actuality in the discourse on weblogs. 2006. Journalism Studies 6:387-96
Schmidt, J. Weblogs. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH
Delwiche, A. Eine kommunikationssoziologische Studie. 2005.
In First Monday
Retrieved 15.04.2009, from http://firstmonday.org/htbin/cgiwrap/bin/ojs/index.php/fm/article/view/1300/1220. Agenda-setting, impression ukase, and the unbelievable of Web logs.
Schenk, M. Soziale Netzwerke und Massenmedien. 1995. Tьbingen: J.C.B. M.
Mohr (Paul Siebeck)
Kepplinger, H. / Martin, V. Publizistik 31:118-28
Filed subservient to: Blogosphдre
« Bestes Beispiel. (1986): Die Funktion der Massenmedien in der Alltagskommunikation.
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